Kadlmoam

Katharina Köber geb. Schnell anno domini 1884, + 1980

Die Schwester meines Großvaters hatte nur einen Sohn( Michael), der selber Kinderlos blieb und weil ich quasi auch bei dieser Frau aufgewachsen bin, möchte ich Ihr hier eine Seite dieser Homepage, widmen.

Kadlmoam in Ihrem "Stiewel"(kleine Stube)

Die Stickereien sind alle Ihre eigene Produktion und mir machte es als Kind Spass die Fehler zu suchen.

Wie schon erwähnt, ist diese Frau 1884 geboren und die ältere Schwester meines Großvaters.

Kadlmoam baute sich nach der Hochzeit mit Michael Köber von Haus Nr. 487 ein Haus im Garten meines Großvaters. Dieser Michael Köber war den Erzählungen nach ein Liebeskind der Katharina Köber von Haus Nr. 487 und einem gewissen Pal, einem Ungarn; daher der Spitzname "Palindri", der ihr ein Leben lang missfiel.

Durch diese Heirat wurde der Hof geteilt und der Brunnen war nun auf dem Hof Nr. 603. So wurde ein Türchen in den Zaun, der die beiden Anwesen trennte gezimmert, welches bis zur Ausreise 1988 benutzt wurde.

Wir, also meine beiden Schwestern und ich wuchsen auch auf diesem Hof auf. Immer wieder erzählte uns die alte Kadlmoam von früheren Zeiten und Ihrer Flucht im 1. Weltkrieg als rumänische Truppen auf dem Birkenberg (Pirapil) über Neppendorf hinweg die Österreich- Ungarischen Truppen am Kuckucksberg ( Kuckenpil) beschossen. Diese Flucht nach Schorsten, war übrigens ihr einziger Ausflug über 35 Km von Neppendorf weg. Sie verließ Neppendorf nur ab und zu, um Einkäufe auf dem 4 Km entfernten Stadtmarkt am Zibin in Hermannstadt zu machen.

Streng gläubig wie sie war, ging sie jeden Sonntag zur Kirche bis ihr das Gehen aus Altersgründen mit über 80 Jahren schwer fiel und sie kaum noch den Hof verließ. Jetzt kam Pfarrer Klima einmal die Woche, um ihr die Sonntagspredigt vorzulesen und mit ihr gemeinsam Kirchenlieder zu singen. Die beiden verstanden sich sehr gut.

Dr. Hellmut Klima

Die Ehe des einzigen Sohnes Michael blieb kinderlos, so dass wir, meine Geschwister und ich, Kinder und Enkel waren.

Der einzige Sohn, Michael Köber geb. 1904
Katharina Köber mit Familie

Beim Gebet mit Schwiegertochter 1979

Beerdigungsansprache von Katharina Köber (Kadlmoam) geb. Schnell 1884-1980

Gestorben am 27. März 1980 - Begraben am 29. März 1980

Der alten Mutter müde Hände ruhn nun von aller Arbeit aus,

die sie gereget ohne Ende, zum Segen für das ganze Haus.

Nun steht sie, Herr, vor Deinem Angesicht !

Wir aber flehn: Heb Du sie in Dein Licht.

Gib ew'gen Frieden ihr, und Deine Gnad dazu

und schenke ihr die wohlverdiente Ruh !

2. Tim. 4,7 - 8a:

"Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit."

Dies Textwort hat Paulus am Ende seines Lebens gesprochen !

Ich habe einen guten Kampf gekämpft

Hier geht es nicht um einen Kampf, wegen Geld, Macht und Ehre, sondern um einen Kampf für Gottes Sache, Reich Gottes, das Evangelium, und es geht um den Kampf gegen satanische Gewalten ! Jedem Christen ist dieser Kampf aufgetragen, der Kampf um die Wahrheit, die sich uns in Jesus Christus aufgetan hat. Dieser Kampf wird nicht mit eisernen Waffen geführt, sondern es ist ein Kampf des Geistes und der Seele. Solch einen Kampf hat auch die liebe Verstorbene, die 95 1/2-jährige Katharina Köber geb. Schnell, in der Stille geführt.

Wenn wir nämlich die Heimgegangene richtig beschreiben wollen, müssen wir sagen: die Kirche gehörte zu ihrem Leben! Der Glaube war bei ihr das Entscheidende. Er war bei ihr nicht nur Gewohnheit, Äusserlichkeit oder Verschönerung des Lebens, sondern Herzenssache.Die Gnadenhand Gottes, die ihr durch Jesus Christus entgegen gestreckt worden ist, hat sie in tiefem Glauben gefasst und festgehalten bis an das Ende.

Darum gehörte sie auch zu den treuesten Gottesdienstbesuchern unserer Kirchengmeinde. Jeden Sonntag und jeden Feiertag sass sie im Gotteshaus auf ihrem Platz. Kaum eine Adventsandacht, Passionsandacht oder Vesper, die von ihr ausgelassen wurde. Grosses Verständnis hatte sie auch für unsere Bibelstunden. Auch da war sie mit ganzem Herzen dabei. Was aber vor allem wichtig war: mit ganzem Ernst und grösster Aufmerksamkeit ist sie dem Gottesdienst gefolgt. Bei ihr schien es keine Müdigkeit und Zerstreutheit zu geben! Jedes Wort, das verkündigt wurde, ist von Ihr im Herzen bewegt worden. Man spürte wie sie mitging und mitbetete und wie sie sich auch zu solch aufmerksame Zuhörer unter der Kanzel sitzen, so bedeutet das für sie Stärkung und Ermutigung. Mit ihren grossen, klaren, blauen Augen sah sie zur Kanzel empor und das war für uns Geistliche aufrichtend und verstärkte den Eindruck, dass nicht alle Verkündigung vergeblich sei. Erst als die Kräfte nicht mehr ausreichten, blieb ihr Platz im Gotteshaus unbesetzt. Nun blieben Gesangbuch, Andachtsbuch und Bibel weiter die Stützen ihres Lebens. Dort fand sie ihre tägliche Seelenreise.

Nun kann man ihr das Wort unseres Textes in den Mund legen:

Ich habe den Lauf vollendet

Vor über 40 Jahren habe ich die Abberufene als sehr junger Pfarrer kennengelernt. Damals stand sie in voller Arbeitskraft und hat fleissig Bauernarbeit getrieben, während ihr Gatte dem Zimmermannshandwerk nachging. Nun war sie die zweitälteste Frau der Gemeinde, mit der ihr Leben aufs engste verbunden war. Sie hat kaum je den Ort verlassen und hat warmen Anteil genommen an allem, was hier geschah. Grossgewachsen ist die Heimgegangene in dem Nachbarhaus mit einer jüngeren Schwester und einem jüngeren Bruder, die beide ihr im Tod vorausgegangen sind. Vor 76 Jahren, an einem Herbsttag, noch jung an Jahren, ist sie mit dem Zimmermann Michael Köber vor den Traualtar getreten. Da begann die gemeinsame langdauernde Lebenswanderung! Der goldene Hochzeitstag wurde erreicht und überschritten. Sogleich nach der Trauung ging man dran das Wohnhaus zu errichten, hier gegenüber von unserem Gottesacker, wo sie sich ein freundliches Heim auszugestalten verstand. Der Allmächtige hat ihr den einzigen Sohn geschenkt, der nun die Mutter betrauert und dem es bis in sein 76. Lebensjahr hinein vergönnt war "Mutter" sagen zu können. Vor 48 Jahren sodann ist die liebevolle Schwiegertochter in das Haus getreten und fast ein halbes Jahrhundert haben alt und jung neben einander gelebt und fleissig gearbeitet und schliesslich haben die Jungen in vorbildlichem Pflichtbewusstsein die uralte Mutter gepflegt.

Zweimal ist dieses geschilderte Leben in die Unruhe der Kriege hineingezogen worden. Am ersten Weltkrieg musste der Gatte teilnehmen und liess die Heimgegangene mit Wirtschaft und Kind zeitweilig allein. Wegen einer schweren Verwundung jedoch, konnte er bald wieder an die Seite der Verstorbenen zurückkehren. Als dann der 2. Weltkrieg kam, hat der Sohn fast 5 schwere Jahre in der Fremde zubringen müssen. Auch ihm aber war eine gesunde Heimkehr beschieden !

Sonnenschein stand über diesem saubern, wohlgeordneten, kleinen Hof, da Glaube und Liebe hier herrschten. Der Verstorbenen sind keine Enkelkinder vergönnt gewesen. Sie hat ihre besondere Liebe und Zuneigung der Neffen und Nichten samt ihren Familien bis in das 3. Glied hinunter zu gewandt. Gerne waren Kinder bei ihr, denn ein Strom der Liebe ging von ihr aus. Zutraulich hörten sie zu, was die alte Frau zu erzählen wusste. Sie hat in ihrem Leben viel gelesen, hatte ein hervorragendes Gedächtnis und war eine gute Erzählerin. Auch die Nachbarn aber waren gerne mit ihr im Gespräch und für jeden hatte sie ein freundliches Wort übrig. Segen stand jahrzentelang über diesem Haus, denn lange war allen Gliedern der Familie gute Gesundheit geschenkt.

Vor 20 Jahren ist sodann der Ehebund durch den Tod geschieden worden, immerhin nach nur 5 Tagen qualvollen Leidens. Genau an seinem Hochzeitstag lag der 80-jährige Michael Köber auf der Totenbank. Die Heimgegangene war bemüht ihrem Leben den rechten Sinn zu geben. Bis in das letzte Jahrzehnt hinein hat sie Hausarbeit geleistet und ist einer Beschäftigung nachgegangen, durch die sie besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Mit Geduld und Liebe hat sie tagtäglich gestrickt und in grosser Zahl schöne Strickereien geschaffen, die Zeugnis von diesem Sinn für das Schöne und ihren Fleiss ablegen.

Ich habe Glauben gehalten

Schon im Elternhaus ist die Heimgegangene im Glauben aufgewachsen. Die Mutter war eine tiefgläubige Frau, die in hohem Alter vor 36 Jahren starb und ebenfalls im Glauben verwurzelt war. So hat denn die Verstorbene ihre Leben im Glauben begonnen, sie hat es im Glauben geführt und dem Heiland die Treue gehalten. Auch als sie in den letzten Wochen ihres Lebens hilflos dalag, hat sie das Gebet nicht unterlassen. Sie sehnte sich nun nach der ewigen Heimat. Es ist ihr ein sanftes Hinübergleiten schliesslich geschenkt worden, da sie nach 6 Tagen des Schlafes endlich ihr Leben abschliessen durfte. Sie hat, wie der Text sagt, nun ihren Lauf vollendet.

... hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit.

Mit dem Tode ist nicht alles aus. Einst ist uns die Wiederkunft des Gottes Sohnes verheissen und für die Seinen nach dem Gericht der Eingang in das ewige Leben. Das Vergängliche versinkt. - Das Ewige verscheint in Herrlichkeit. Das, was Gott den Seinen in der Ewigkeit schenkt, ist im Bilde angedeutet in unsserem Text als Krone der Gerechtigkeit. Die Krone der Gerechtigkeit besteht darin, dass der Auferstandene die Seinen unter die Gerechten in Sein ewiges Reich des Lichtes stellen wird, weil sie sich im Glauben die Gerechtigekeit erworben haben !

Es ist so wie ein Dichter sagt:

Der Heiland sprach: Sie sollen leben !

Ich will, wo Ich bin, solln die sein,

die Vater Mir von Dir gegeben,

sich Meiner hier im Glauben freun,

einst dort, wie schon im Glauben hier,

auch in der Herrlichkeit mit Mir !

AMEN

Lasst uns nun nach unseres Ortes Brauch und Sitte einen Rückblick werfen auf das Leben der Dahingeschiedenen und lasst uns mit folgenden Worten denselben zur Verlesung bringen.

Wir sollen nun zu Grabe tragen unsere Mitschwester Katharina Köber geb. Schnell, Witwe, Hausfrau und Landbäuerin von Hausnr. 603. Sie wurde geboren am 14. Oktober 1884 als 2. Kind von 4 Kindern und 2. Tochter von 3 Töchtern des Georg Schnell von Hausnr. 602 und der Maria geb. Liebhart von Hausnr. 59. Sie heiratete 19-jährig am 11. Oktober 1903 den damals 24-jährigen Zimmermann Michael Köber von Hausnr. 823. Gott segnete diese Ehe mit einem Sohn - der den Eltern erhalten geblieben ist.

Der Ehegatte starb 80-jährig am 10. Oktober 1959.

Die Ehe dauerte 55 Jahre, 11 Monate und 29 Tage.

Als Witwe lebte sie noch 20 Jahre, 5 Monate und 17 Tage.

Katharina Köber starb vorgestern, am 27. März 1980, in den Nachtstunden.

Sie brachte ihr Leben auf 95 Jahre, 5 Monate und 13 Tage.

Soviel über den äusseren Lebensweg der Verstorbenen !

Herr Gott, lass leuchten Dein Gnadenangesicht, so genesen wir im Leben,

Leiden und Sterben und dermaleinst in der seligen Auferstehung durch

Jesus Christus, unsern Herrn und Heiland !

Amen